Vom Umgang mit freilebenden Katzen

Vorsicht Katzenbiss!

von | 4. Mai 2022

Wie ihr viel­leicht ge­le­sen habt, si­che­re ich eh­ren­amt­lich Streu­ner­kat­zen. Schnell lern­te ich, dass da­für eine grund­le­gen­de Aus­rüs­tung not­wen­dig ist. Im Lau­fe der Zeit kam im­mer mehr Er­fah­rung dazu. Ich fühl­te mich für alle Fäl­le bes­tens vor­be­rei­tet — dach­te ich zumindest.

„Der Kat­ze geht’s so schlecht, die kann man mal eben so ein­pa­cken.“ Die­sen Satz höre ich in ver­schie­dens­ter For­mu­lie­rung im­mer wie­der. Die Ein­schät­zung wi­der­spricht al­ler­dings der Er­fah­rung. Was pas­siert, wenn die kran­ke Kat­ze in Pa­nik gerät?

Die wich­tigs­te Re­gel beim Ein­fan­gen der Kat­zen ist: Si­cher­heit für alle Be­tei­lig­ten. Des­halb ist es kei­ne gute Idee, eine ver­meint­lich le­thar­gi­sche Kat­ze ein­fach mal zu grei­fen und in eine Trans­port­box zu ste­cken. Die Grün­de sind nachvollziehbar:

  1. Die Kat­ze
    Auch kran­ke und apa­thisch wir­ken­de Kat­zen wer­den su­per schnell mun­ter, wenn ein Zwei­bei­ner nach Ih­nen greift. Ver­set­zen wir uns ein­mal in die ver­wil­der­te Kat­ze hin­ein, die kei­nen Men­schen an sich her­an­lässt: Der Ad­re­na­lin­schub ist nach­voll­zieh­bar, oder?
  2. Der Mensch
    Die ei­ge­ne Ge­sund­heit muss im­mer Vor­rang ha­ben! Eine Ge­fähr­dung von Leib oder gar Le­ben der Tier­schüt­zer darf nicht der Preis sein im Kat­zen­schutz. Es be­steht im­mer ein Ri­si­ko. Die Fol­gen ei­ner Ver­let­zung kön­nen gra­vie­rend sein. Das dür­fen wir nie vergessen.

Die Lö­sun­gen sind ein­fach: Es gibt Le­bend­fal­len und di­cke, biss­fes­te Hand­schu­he. Wenn man Kat­zen fängt, soll­te man die­se Ein­sicht ganz früh ha­ben — und sie be­her­zi­gen! Der Ge­dan­ke, dass es schon gut ge­hen wird (denn es ging bis­her ja im­mer gut), ist ein Feh­ler. Aber wer ist schon frei von ei­ner rou­ti­nier­ten Sorg­lo­sig­keit, die sich manch­mal un­be­merkt ein­schleicht? Sie ah­nen, dass ich aus ei­ge­ner Er­fah­rung schreibe.

Streuner fangen: bissfeste HandschuheSeit kur­zem be­sit­ze ich nun auch biss­fes­te Hand­schu­he. Vor­her muss­te al­ler­dings mein Dau­men ge­tackert wer­den. Aber so richtig …

Ob­wohl die Kat­ze tod­krank aus­sah, ob­wohl ich tat­säch­lich di­cke Hand­schu­he trug und das Tier mit ei­nem Ke­scher fing: Das kran­ke Streu­ner­chen sam­mel­te alle Re­ser­ven, ent­fes­sel­te sich beim Um­set­zen in die Box und schoss in mei­ne Hand. Der Dau­men steht ja na­tur­ge­mäß et­was ab und das be­trach­te­te der klei­ne Herr wohl als An­ker. Er biss sich hin­ein, durch den Hand­schuh hindurch.

Ich hat­te gro­ßes Glück und ei­nen er­fah­re­nen Chir­ur­gen, sonst hät­te mich das den Dau­men kos­ten kön­nen — oder so­gar eine le­bens­ge­fähr­li­che Sep­sis dar­über hin­aus. Kat­zen­bis­se ge­hö­ren zu den in­fek­tiö­ses­ten Bis­sen überhaupt!

Ja, es ist den Um­stän­den ent­spre­chend noch­mal gut ge­gan­gen, aber der Vor­fall durf­te na­tür­lich nicht fol­gen­los blei­ben: Nun habe ich mei­ne biss­fes­ten Hand­schu­he und tra­ge sie.

Infektionsrate: über 50 %

Deutsches Ärzteblatt 93, Heft 15, 12. April 1996

„Kat­zen­bis­se sind we­gen der spit­zen Zäh­ne der Kat­ze und der Punk­ti­ons­ge­fahr von Kno­chen be­son­ders in­fek­ti­ons­ge­fähr­det, mit In­fek­ti­ons­ra­ten bis über 50 Prozent.“

Quel­le: Kuntz, Pe­ter; Pie­rin­ger-Mül­ler, Edel­traud; Hof, Her­bert; Dt Ärz­tebl 1996; 93: A-969–972 [Heft 15]

Wer die­se Ge­schich­te als Klei­nig­keit ab­tun möch­te, soll­te sich die Fo­tos an­schau­en, die ich in zwei Wo­chen ge­macht habe. Haupt­dar­stel­ler ist ein Dau­men in ver­schie­de­nen Grö­ßen und Farben.

Trotz der biss­fes­ten Hand­schu­he fan­ge lie­ber mit der Le­bend­fal­le, denn: Si­cher­heit geht vor. Das se­hen Sie spä­tes­tens nach die­sem Ar­ti­kel auch so, oder? Bra­vo! Da­für gibt’s ein „Dau­men hoch“!

Ich bin froh, dass das bei mir noch mit bei­den funktioniert.

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