Geschichten, Unterhaltsames, Meinungen

Katz'-Blog

Der Katz'-Blog

Verschiedene AutorInnen schreiben spontan und unterhaltsam, aber auch ernsthaft und engagiert.

Neues von Frau und Katze

Von der Katzentante zur Terroristin

von | 16. November 2025

Kann so et­was wirk­lich pas­sie­ren: Je­mand en­ga­giert sich ge­gen das Streu­ne­r­elend, for­dert po­li­ti­sche Lö­sun­gen – und wird des­we­gen in ei­ner öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tung als „Ter­ro­ris­tin“ be­schimpft. Ohne Wi­der­spruch! Ja, in ei­ner klei­nen Ge­mein­de in Thü­rin­gen kann so et­was pas­sie­ren. Da­bei fing al­les ganz harm­los an.

Katzentante: Kümmert sich liebevoll um Streuner, die ihr zulaufen.

Da ist die klas­si­sche Kat­zen­tan­te: um­ge­ben von vie­len Kat­zen, freund­lich, et­was ver­rückt, aber harm­los. Sie ist im­mer ein Ma­gnet für Streu­ner, wird oft be­lä­chelt. Manch­mal wird sie aber auch an­ge­fein­det, weil sie sich um die Tie­re küm­mert, die sonst nie­mand be­ach­tet. Tier­schutz stößt nicht über­all auf Zustimmung.

Doch dann er­kennt die Kat­zen­tan­te im­mer mehr Tier­leid – und sie lernt, dass füt­tern nicht aus­reicht. So hilft sie nicht nur den Kat­zen aus dem gan­zen Dorf, sie lässt sie auch – manch­mal so­gar un­ter Be­dro­hun­gen – kas­trie­ren. Au­ßer­dem päp­pelt und ver­mit­telt sie die Wel­pen der Stra­ßen­kat­zen in lie­be­vol­le Hände.

Katzenschützerin: Kastriert Streuner im Umfeld, pflegt Katzenwelpen.

Jetzt ist sie eine Kat­zen­schüt­ze­rin: Jahr für Jahr kämpft sie ge­gen die Flut un­er­wünsch­ter Kat­zen­wel­pen. Ihr En­ga­ge­ment hilft – aber oft nur kurz­fris­tig. Sie ap­pel­liert an die Ver­ant­wor­tung der Hal­ter, ihre Kat­zen nicht un­kas­triert frei lau­fen zu lassen.

Mit Fly­ern, Ar­ti­keln oder So­cial Me­dia macht sie auf das Pro­blem auf­merk­sam, spricht mit Bür­ger­meis­tern und bit­tet um den Er­lass ei­ner Katzen­schutz­ver­ord­nung. Jah­re ohne Re­ak­tio­nen der Be­hör­den ver­ge­hen. Die Kat­zen­schüt­ze­rin bleibt aber am Ball und gibt nicht auf, das zu for­dern, was der Ge­setz­ge­ber zum Schutz der Kat­zen vor­gibt und mög­lich macht.

Aktivistin: Informiert die Öffentlichkeit und Behörden über die Katzenproblematik.

Mit ih­rer Hart­nä­ckig­keit wird sie von Be­hör­den­ver­tre­tern zu­neh­mend als Tier­schutz-Ak­ti­vis­tin wahr­ge­nom­men – und das hat ei­nen deut­lich ne­ga­ti­ven Bei­geschmack. Der Schritt vom pri­va­ten En­ga­ge­ment zur po­li­ti­schen For­de­rung ist getan.

Auf­grund jah­re­lan­ger Ta­ten­lo­sig­keit der Be­hör­den ver­langt sie schließ­lich nach­drück­lich Schutz: Miss­stän­de wer­den of­fen be­nannt, Po­li­tik und Be­hör­den kri­ti­siert und zeit­nah Lö­sun­gen ge­for­dert. Sie weiß: Ge­setz­ge­ber und Ver­nunft sind auf ih­rer Seite. 

Jetzt ist sie nach An­sicht von Bür­ger­In­nen ih­rer Ge­mein­de – eine Ter­ro­ris­tin. Das klingt un­glaub­lich, ist aber ei­ner Tier­schutz­freun­din ge­nau so passiert.

Terroristin: Argumentiert stichhaltig für die Katzenschutzverordnung. Kritisiert.

Die­se Gren­ze wur­de in ei­nem klei­nen Ort in Thü­rin­gen, in Klein­rom­stedt im Wei­ma­rer Land, über­schrit­ten: In ei­ner Dis­kus­si­on zur Katzen­schutz­ver­ord­nung fehl­ten ei­nem Bür­ger die Ar­gu­men­te – und er be­zeich­ne­te die­se en­ga­gier­te Frau tat­säch­lich öf­fent­lich als „Ter­ro­ris­tin“. Da­mit kri­mi­na­li­sier­te er ehr­li­ches En­ga­ge­ment im Sin­ne des Grund­ge­set­zes und des Ge­setz­ge­bers. Er setz­te die For­de­rung nach ei­ner Katzen­schutz­ver­ord­nung mit den Ak­ti­vi­tä­ten von kri­mi­nel­len Staats­fein­den gleich. Unwidersprochen!

Wie konn­te es dazu kom­men? Sol­che Dif­fa­mie­run­gen sind ein Macht­mit­tel, um Dis­kus­sio­nen ab­zu­wür­gen. Wer als Ter­ro­ris­tin be­zeich­net wird, de­ren Ar­gu­men­te muss man nicht mehr ernst neh­men. Wie hilf­los muss die­ser Bür­ger sein, wenn er auf eine ge­sell­schaft­li­che Dis­kus­si­on, die ge­ra­de in un­se­rem Land ge­führt wird, so reagiert?

Die­ses Bei­spiel zeigt: Wenn man sich ak­tiv im Tier­schutz en­ga­giert, kann das durch­aus zur Be­dro­hung werden.

Die Angst man­cher Men­schen vor die­ser Dis­kus­si­on muss enorm sein. Vor al­lem von Be­hör­den und Po­li­ti­kern wer­den im­mer wie­der die ab­sur­des­ten „Ar­gu­men­te“ be­müht, um ech­ten Tier­schutz zu ver­hin­dern. Viel­leicht färbt das ab? Mit der Be­zeich­nung ei­ner Tier­schüt­ze­rin als Ter­ro­ris­tin durch ei­nen Mit­bür­ger in ei­ner öf­fent­li­chen Ver­an­stal­tung wur­de nun eine neue Qua­li­tät er­reicht: Nicht mehr per­sön­li­che Dif­fa­mie­rung als et­was ei­gen­ar­ti­ge Kat­zen­tan­te ist das Mit­tel der Wahl. Nein, eine Kri­mi­na­li­sie­rung ist doch viel kraftvoller!

Das Schmun­zeln über die Kat­zen­tan­te bleibt mir im Hal­se ste­cken, wenn ich die­sen Fall be­trach­te. Die Leh­re dar­aus kann nur sein: Seid un­be­quem! Ret­tet Kat­zen, aber nicht nur heim­lich! Stellt Öf­fent­lich­keit her, nehmt die Po­li­tik in die Pflicht und seid da­bei bes­tens in­for­miert, ihr Kat­zen­tan­ten! Und steht zusammen!

Was sagt es über eine Ge­sell­schaft, wenn Mit­ge­fühl und Ein­satz für Schwä­che­re als Ter­ro­ris­mus sti­li­siert wer­den? Die­ses Bei­spiel zeigt: Wenn man sich ak­tiv im Tier­schutz en­ga­giert, kann das durch­aus zur Be­dro­hung wer­den – auch wenn es nur dar­um geht, gel­ten­de Ge­set­ze umzusetzen.

Dies ist eine De­bat­te, die weit über Kat­zen­schutz hinausgeht.

mehr Artikel im Blog

Katzenschutzverordnung Leipzig

Katzenschutzverordnung Leipzig

Leip­zig dis­ku­tiert über eine Katzen­schutz­ver­ord­nung – doch wäh­rend das Leid frei­le­ben­der Kat­zen seit Jah­ren of­fen­sicht­lich ist, ver­hin­dern wi­der­sprüch­li­che Aus­sa­gen und po­li­ti­sche Blo­cka­den kon­kre­te Hil­fe. Der Kom­men­tar be­leuch­tet, war­um Tier­schutz am Bei­spiel Sach­sen oft am po­li­ti­schen Wil­len schei­tert – und was sich drin­gend än­dern muss.

mehr lesen
Gurtpflicht für Miezen?

Gurtpflicht für Miezen?

Kürzlich entbrannte auf unserer Facebook-Seite eine hitzige Diskussion zum Thema Katzenschutzverordnung. Die Argumente der Gegner klangen vertraut: „Nicht kontrollierbar, zu kompliziert, wirkungslos!“ Doch woher wissen die das so genau? Wie kommt es zu dieser...

mehr lesen
Keine Schnitte!

Keine Schnitte!

So wird das nichts: Anke Hen­nig, Tier­schutz­be­auf­trag­te der SPD, er­wies sich in ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on zu meh­re­ren The­men nicht als Ex­per­tin. Die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te prä­sen­tier­te sich als Kämp­fe­rin für eine Bun­des­kat­zen­schutz­ver­ord­nung – ohne dass da­hin­ter Sub­stanz steckte.

mehr lesen
Weitermachen wie bisher!

Weitermachen wie bisher!

Im Früh­jahr 2023 ver­hin­dert der säch­si­sche Tier­schutz­bei­rat eine Katzen­schutz­ver­ord­nung nach § 13b Tier­schutz­ge­setz auf Lan­des­ebe­ne so­wie die Er­mäch­ti­gung der Ge­mein­den zum Er­lass ei­ner sol­chen. Ist das im Sin­ne der eh­ren­amt­li­chen Tier­schüt­ze­rIn­nen, die der Tier­schutz­bei­rat auf Lan­des­ebe­ne ver­tre­ten soll?

mehr lesen
Hofkatzenleid

Hofkatzenleid

In länd­li­chen Ge­bie­ten fin­den Tier­schüt­zer häu­fig Hot­spots frei­le­ben­der Kat­zen an land­wirt­schaft­li­chen Ge­bäu­den vor. Als Mäu­se- und Rat­ten­fän­ger wer­den sie dort von den Bau­ern und Bäue­rin­nen als – nicht sel­ten wert­lo­se - Nutz­tie­re be­han­delt, um die sich we­nig ge­küm­mert wird.

mehr lesen

Mail:

Telefon: 0 66 68 / 91 99 377