Kann so etwas wirklich passieren: Jemand engagiert sich gegen das Streunerelend, fordert politische Lösungen – und wird deswegen in einer öffentlichen Veranstaltung als „Terroristin“ beschimpft. Ohne Widerspruch! Ja, in einer kleinen Gemeinde in Thüringen kann so etwas passieren. Dabei fing alles ganz harmlos an.
Da ist die klassische Katzentante: umgeben von vielen Katzen, freundlich, etwas verrückt, aber harmlos. Sie ist immer ein Magnet für Streuner, wird oft belächelt. Manchmal wird sie aber auch angefeindet, weil sie sich um die Tiere kümmert, die sonst niemand beachtet. Tierschutz stößt nicht überall auf Zustimmung.
Doch dann erkennt die Katzentante immer mehr Tierleid – und sie lernt, dass füttern nicht ausreicht. So hilft sie nicht nur den Katzen aus dem ganzen Dorf, sie lässt sie auch – manchmal sogar unter Bedrohungen – kastrieren. Außerdem päppelt und vermittelt sie die Welpen der Straßenkatzen in liebevolle Hände.
Jetzt ist sie eine Katzenschützerin: Jahr für Jahr kämpft sie gegen die Flut unerwünschter Katzenwelpen. Ihr Engagement hilft – aber oft nur kurzfristig. Sie appelliert an die Verantwortung der Halter, ihre Katzen nicht unkastriert frei laufen zu lassen.
Mit Flyern, Artikeln oder Social Media macht sie auf das Problem aufmerksam, spricht mit Bürgermeistern und bittet um den Erlass einer Katzenschutzverordnung. Jahre ohne Reaktionen der Behörden vergehen. Die Katzenschützerin bleibt aber am Ball und gibt nicht auf, das zu fordern, was der Gesetzgeber zum Schutz der Katzen vorgibt und möglich macht.
Mit ihrer Hartnäckigkeit wird sie von Behördenvertretern zunehmend als Tierschutz-Aktivistin wahrgenommen – und das hat einen deutlich negativen Beigeschmack. Der Schritt vom privaten Engagement zur politischen Forderung ist getan.
Aufgrund jahrelanger Tatenlosigkeit der Behörden verlangt sie schließlich nachdrücklich Schutz: Missstände werden offen benannt, Politik und Behörden kritisiert und zeitnah Lösungen gefordert. Sie weiß: Gesetzgeber und Vernunft sind auf ihrer Seite.
Jetzt ist sie nach Ansicht von BürgerInnen ihrer Gemeinde – eine Terroristin. Das klingt unglaublich, ist aber einer Tierschutzfreundin genau so passiert.
Diese Grenze wurde in einem kleinen Ort in Thüringen, in Kleinromstedt im Weimarer Land, überschritten: In einer Diskussion zur Katzenschutzverordnung fehlten einem Bürger die Argumente – und er bezeichnete diese engagierte Frau tatsächlich öffentlich als „Terroristin“. Damit kriminalisierte er ehrliches Engagement im Sinne des Grundgesetzes und des Gesetzgebers. Er setzte die Forderung nach einer Katzenschutzverordnung mit den Aktivitäten von kriminellen Staatsfeinden gleich. Unwidersprochen!
Wie konnte es dazu kommen? Solche Diffamierungen sind ein Machtmittel, um Diskussionen abzuwürgen. Wer als Terroristin bezeichnet wird, deren Argumente muss man nicht mehr ernst nehmen. Wie hilflos muss dieser Bürger sein, wenn er auf eine gesellschaftliche Diskussion, die gerade in unserem Land geführt wird, so reagiert?
Dieses Beispiel zeigt: Wenn man sich aktiv im Tierschutz engagiert, kann das durchaus zur Bedrohung werden.
Die Angst mancher Menschen vor dieser Diskussion muss enorm sein. Vor allem von Behörden und Politikern werden immer wieder die absurdesten „Argumente“ bemüht, um echten Tierschutz zu verhindern. Vielleicht färbt das ab? Mit der Bezeichnung einer Tierschützerin als Terroristin durch einen Mitbürger in einer öffentlichen Veranstaltung wurde nun eine neue Qualität erreicht: Nicht mehr persönliche Diffamierung als etwas eigenartige Katzentante ist das Mittel der Wahl. Nein, eine Kriminalisierung ist doch viel kraftvoller!
Das Schmunzeln über die Katzentante bleibt mir im Halse stecken, wenn ich diesen Fall betrachte. Die Lehre daraus kann nur sein: Seid unbequem! Rettet Katzen, aber nicht nur heimlich! Stellt Öffentlichkeit her, nehmt die Politik in die Pflicht und seid dabei bestens informiert, ihr Katzentanten! Und steht zusammen!
Was sagt es über eine Gesellschaft, wenn Mitgefühl und Einsatz für Schwächere als Terrorismus stilisiert werden? Dieses Beispiel zeigt: Wenn man sich aktiv im Tierschutz engagiert, kann das durchaus zur Bedrohung werden – auch wenn es nur darum geht, geltende Gesetze umzusetzen.
Dies ist eine Debatte, die weit über Katzenschutz hinausgeht.










