Ein FAZ-Journalist entdeckt, dass Menschen das Leid von Tieren ernst nehmen. Das empört ihn, Stephan Löwenstein, so sehr, dass er am 4. August 2026 in der FAZ die Wortwahl des Deutschen Tierschutzbundes anlässlich des Weltkatzentags kommentiert. Er fragt: „Wovon reden diese Leute? Tatsächlich von Katzen? Geht es auch etwas darunter?“ und nennt die Beschreibung dieses Tierleids „politische Dramafloskeln“.
Hunger? Krankheit? Frost? Sterbende Katzen? Nein, nein. Das kann man doch nicht so nennen! Schließlich gibt es auch Menschen, die hungern, frieren oder sterben. Also bitte etwas mehr Demut bei der Wortwahl! So meinen zumindest Sie, Herr Löwenstein. Danke für diese Lektion in der Hierarchie des Mitgefühls.
Irritierend sind Ihre Vergleiche mit der Hungersnot in Ostafrika, dem Sterben im Mittelmeer und dem Krieg in der Ukraine. Es war mir nicht klar, dass wir erst die ganz großen Weltkatastrophen lösen müssen, bevor wir das Leid von Tieren überhaupt benennen dürfen. Die Botschaft Ihres Kommentars ist deutlich: Kümmert euch um Menschen! Und wenn ihr euch trotzdem um Tiere sorgt, haltet in der Öffentlichkeit wenigstens den Mund.
Es ist genau Ihre Haltung, Herr Löwenstein, die den Tierschutz politisch klein hält. Menschen, die sich ehrenamtlich um verwahrloste, kranke, verletzte und verhungernde Katzen kümmern, werden als hysterische Dramatisierer dargestellt. Empathie mit Tieren und Forderungen nach politischem Handeln werden zur Lachnummer gemacht.
Dabei ist Tierschutz kein spleeniges Hobby einiger „Katzenleute“. Tierschutz ist Staatsziel, was Sie vermutlich nicht wussten. Wer sich politisch dafür einsetzt, dass vermeidbares und insbesondere menschengemachtes Tierleid verhindert wird, übt schlicht demokratische und gesellschaftliche Teilhabe aus. Menschen in unserem Land dürfen sich einmischen, Forderungen stellen, Politik kritisieren und Veränderungen verlangen – auch dann, wenn es um Tiere geht.
Niemand in unserem Land muss all das tun, wenn man es nicht möchte. Zudem müssen Sie, Herr Löwenstein, auch nicht über den Zustand des Katzenschutzes, über Zahlen und Zuständigkeiten recherchieren. Aber dass Sie sich darüber mokieren, dass andere Menschen dies tun, Mitgefühl mit Tieren zeigen und daraus politische Forderungen ableiten, ist eine äußerst schwache Leistung eines erfahrenen Journalisten. Ihr Kommentar ist ein Auswurf einer veralteten Haltung: Tiere sind minderwertig.
Ich frage mich häufig, warum sich Tierschützerinnen und Tierschützer im 21. Jahrhundert immer noch dafür rechtfertigen müssen, dass ihnen Tierleid nicht egal ist. Sie frage ich, wie es sein kann, dass Sie als Journalist eines Qualitätsmediums anderen nicht zugestehen, sich mit verfügbaren Mitteln für ein im Grundgesetz verankertes Staatsziel zu engagieren?
Warum Sie selbst nicht in der Lage sind, Empathie für leidende Tiere zu entwickeln, lasse ich bei meinen Fragen besser außen vor.
Zum Kommentar:
https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/tierschutzbund-beklagt-leid-von-katzen-lasst-die-kirche-im-dorf-201094246.html







