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Eine Antwort auf Löwensteins FAZ-Kommentar

Lasst die Katze im Dorf!

von | 11. August 2026

Ein FAZ-Jour­na­list ent­deckt, dass Men­schen das Leid von Tie­ren ernst neh­men. Das em­pört ihn, Ste­phan Lö­wen­stein, so sehr, dass er am 4. Au­gust 2026 in der FAZ die Wort­wahl des Deut­schen Tier­schutz­bun­des an­läss­lich des Welt­kat­zen­tags kom­men­tiert. Er fragt: „Wo­von re­den die­se Leu­te? Tat­säch­lich von Kat­zen? Geht es auch et­was dar­un­ter?“ und nennt die Be­schrei­bung die­ses Tier­leids „po­li­ti­sche Dramafloskeln“.

Politik für die Katz': eine Antwort auf Löwensteins FAZ-Kommentar

Hun­ger? Krank­heit? Frost? Ster­ben­de Kat­zen? Nein, nein. Das kann man doch nicht so nen­nen! Schließ­lich gibt es auch Men­schen, die hun­gern, frie­ren oder ster­ben. Also bit­te et­was mehr De­mut bei der Wort­wahl! So mei­nen zu­min­dest Sie, Herr Lö­wen­stein. Dan­ke für die­se Lek­ti­on in der Hier­ar­chie des Mitgefühls.

Ir­ri­tie­rend sind Ihre Ver­glei­che mit der Hun­gers­not in Ost­afri­ka, dem Ster­ben im Mit­tel­meer und dem Krieg in der Ukrai­ne. Es war mir nicht klar, dass wir erst die ganz gro­ßen Welt­ka­ta­stro­phen lö­sen müs­sen, be­vor wir das Leid von Tie­ren über­haupt be­nen­nen dür­fen. Die Bot­schaft Ih­res Kom­men­tars ist deut­lich: Küm­mert euch um Men­schen! Und wenn ihr euch trotz­dem um Tie­re sorgt, hal­tet in der Öf­fent­lich­keit we­nigs­tens den Mund.

Es ist ge­nau Ihre Hal­tung, Herr Lö­wen­stein, die den Tier­schutz po­li­tisch klein hält. Men­schen, die sich eh­ren­amt­lich um ver­wahr­los­te, kran­ke, ver­letz­te und ver­hun­gern­de Kat­zen küm­mern, wer­den als hys­te­ri­sche Dra­ma­ti­sie­rer dar­ge­stellt. Em­pa­thie mit Tie­ren und For­de­run­gen nach po­li­ti­schem Han­deln wer­den zur Lach­num­mer gemacht.

Da­bei ist Tier­schutz kein splee­ni­ges Hob­by ei­ni­ger „Kat­zen­leu­te“. Tier­schutz ist Staats­ziel, was Sie ver­mut­lich nicht wuss­ten. Wer sich po­li­tisch da­für ein­setzt, dass ver­meid­ba­res und ins­be­son­de­re men­schen­ge­mach­tes Tier­leid ver­hin­dert wird, übt schlicht de­mo­kra­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be aus. Men­schen in un­se­rem Land dür­fen sich ein­mi­schen, For­de­run­gen stel­len, Po­li­tik kri­ti­sie­ren und Ver­än­de­run­gen ver­lan­gen – auch dann, wenn es um Tie­re geht.

Nie­mand in un­se­rem Land muss all das tun, wenn man es nicht möch­te. Zu­dem müs­sen Sie, Herr Lö­wen­stein, auch nicht über den Zu­stand des Kat­zen­schut­zes, über Zah­len und Zu­stän­dig­kei­ten re­cher­chie­ren. Aber dass Sie sich dar­über mo­kie­ren, dass an­de­re Men­schen dies tun, Mit­ge­fühl mit Tie­ren zei­gen und dar­aus po­li­ti­sche For­de­run­gen ab­lei­ten, ist eine äu­ßerst schwa­che Leis­tung ei­nes er­fah­re­nen Jour­na­lis­ten. Ihr Kom­men­tar ist ein Aus­wurf ei­ner ver­al­te­ten Hal­tung: Tie­re sind minderwertig.

Ich fra­ge mich häu­fig, war­um sich Tier­schüt­ze­rin­nen und Tier­schüt­zer im 21. Jahr­hun­dert im­mer noch da­für recht­fer­ti­gen müs­sen, dass ih­nen Tier­leid nicht egal ist. Sie fra­ge ich, wie es sein kann, dass Sie als Jour­na­list ei­nes Qua­li­täts­me­di­ums an­de­ren nicht zu­ge­ste­hen, sich mit ver­füg­ba­ren Mit­teln für ein im Grund­ge­setz ver­an­ker­tes Staats­ziel zu engagieren?

War­um Sie selbst nicht in der Lage sind, Em­pa­thie für lei­den­de Tie­re zu ent­wi­ckeln, las­se ich bei mei­nen Fra­gen bes­ser au­ßen vor.

Zum Kom­men­tar:
https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/tierschutzbund-beklagt-leid-von-katzen-lasst-die-kirche-im-dorf-201094246.html

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