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Zwischen Lippenbekenntnis und strukturellem Versagen

Katzenschutzverordnung Leipzig

von | 23. Juli 2025

In Leip­zig wird über eine Katzen­schutz­ver­ord­nung dis­ku­tiert. Da­bei ist das Leid frei­le­ben­der Kat­zen längst be­kannt: Vie­le sind krank, un­ter­ernährt oder ver­letzt. Trotz­dem fehlt es bis heu­te an ei­ner ver­bind­li­chen Re­ge­lung, um die­ser Tier­not wirk­sam zu be­geg­nen. Noch wi­der­sprüch­li­cher wird es, wenn aus­ge­rech­net jene, die die Miss­stän­de be­kla­gen, gleich­zei­tig seit Jah­ren de­ren Lö­sung behindern.

Katzenschutz in Leipzig

In Leip­zig wird der­zeit über die Ein­füh­rung ei­ner Katzen­schutz­ver­ord­nung dis­ku­tiert. Das über­rascht in­so­fern, als die Stadt seit Jahr­zehn­ten Kas­tra­ti­ons­ak­tio­nen durch­führt – of­fen­bar ohne dass sich die Lage für frei­le­ben­de Kat­zen nach­hal­tig ver­bes­sert hät­te. Das Tier­leid bleibt sicht­bar, wie Mi­cha­el Sper­lich, Ge­schäfts­füh­rer des Leip­zi­ger Tier­heims „Ers­ter Frei­er Tier­schutz­verein Leip­zig und Um­ge­bung e. V.“, in der Leip­zi­ger Volks­zei­tun­g² be­stä­tigt: Er sehe das Pro­blem täg­lich an den ge­schwäch­ten Tie­ren, die ins Tier­heim ge­bracht werden.

Doch trotz die­ser Zu­stän­de wird die bis­he­ri­ge Pra­xis – punk­tu­el­le Kas­tra­tio­nen – öf­fent­lich wei­ter als Er­folg dar­ge­stellt. Da­bei spre­chen die Da­ten ei­ner ak­tu­el­len Stu­die eine an­de­re Spra­che: Über die Hälf­te der ein­ge­fan­ge­nen Kat­zen ist von Pa­ra­si­ten, In­fek­ti­ons­krank­hei­ten oder an­de­ren Lei­den betroffen.

Doppelte Botschaften, doppelter Schaden

Pi­kant ist da­bei: Sper­lich, der zu­gleich Vor­sit­zen­der des Säch­si­schen Lan­des­tier­schutz­ver­bands und Mit­glied im Tier­schutz­bei­rat ist, hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren selbst mit dazu bei­getra­gen, dass po­li­ti­sche Vor­stö­ße zur Ein­füh­rung von Kat­zen­schutz­ver­ord­nun­gen im Säch­si­schen Land­tag scheiterten.² Nun kri­ti­siert er öf­fent­lich das Feh­len ei­ner sol­chen Re­ge­lung – ein be­mer­kens­wer­ter Widerspruch.

Auch auf lo­ka­ler Ebe­ne sorgt sein Ver­ein für eine Re­ge­lungs­pra­xis, die Hil­fe für Streu­ner­kat­zen fak­tisch aus­he­belt: Auf der Web­site des Ver­eins heißt es, dass wild le­ben­de oder ver­wil­der­te Kat­zen „grund­sätz­lich kei­ne Fund­tie­re“ sei­en. Die­se Be­haup­tung wi­der­spricht der gel­ten­den Recht­spre­chung. Die Kon­se­quenz: Vie­le Bürger:innen mel­den Sich­tun­gen nicht – aus Un­wis­sen oder aus Frus­tra­ti­on –, und die Kat­zen wer­den we­der kas­triert noch me­di­zi­nisch ver­sorgt. Hin­wei­se auf Hilfs­an­ge­bo­te? Fehlanzeige.

So ent­steht ein Teu­fels­kreis aus Des­in­for­ma­ti­on, Un­ter­ver­sor­gung und wei­te­rem Tier­leid. Gleich­zei­tig gibt es kei­ner­lei Trans­pa­renz über das tat­säch­li­che Aus­maß der Po­pu­la­ti­on. Kein Wun­der, dass Sper­lich in der LVZ ein­räumt, be­last­ba­re Zah­len zur Streu­ner­po­pu­la­ti­on fehl­ten – vie­le die­ser Kat­zen „sei­en schwer sicht­bar“. Sie wer­den schlicht ignoriert.

Politik ohne Wille ist Tierschutz ohne Wirkung

Katzenschutz in Leipzig

Hin­zu kommt: Sper­lich kri­ti­siert die ge­setz­li­che Grund­la­ge für Kat­zen­schutz­ver­ord­nun­gen – ins­be­son­de­re die An­for­de­run­gen nach § 13b Tier­schutz­ge­setz – als un­taug­lich. Da­bei zei­gen ju­ris­ti­sche Ein­schät­zun­gen deut­lich: Kom­mu­nen kön­nen sehr wohl rechts­si­cher han­deln. Es braucht da­für nur eins: den po­li­ti­schen Willen.

Doch ge­nau der fehlt vie­ler­orts. Tier­schutz wird kom­mu­nal noch im­mer vor al­lem als Kos­ten­fak­tor be­trach­tet. Dass Eh­ren­amt­li­che seit Jah­ren er­heb­li­che Mit­tel und Zeit auf­wen­den, um das zu kom­pen­sie­ren, wird still­schwei­gend in Kauf genommen.

Zeit zu handeln

Katzenschutz in Leipzig

So­lan­ge zen­tra­le Ak­teu­re im Tier­schutz ei­ner­seits das Leid öf­fent­lich be­kla­gen, an­de­rer­seits aber die ak­tu­ell mög­li­chen struk­tu­rel­len Mit­tel boy­kot­tie­ren, wird sich an der Lage frei­le­ben­der Kat­zen nichts än­dern. Auch nicht in Leipzig.

Wir soll­ten auf­hö­ren, uns hin­ter Ge­set­zes­aus­le­gun­gen zu ver­ste­cken – und an­fan­gen, die Mög­lich­kei­ten zu nut­zen, die wir längst haben.

¹ Mehr Schutz für Kat­zen: Leip­zig dis­ku­tiert Kas­tra­ti­ons- und Chipp­flicht, Ar­ti­kel in der Leip­zi­ger Volks­zei­tung vom 9. Juli 2025; Der Ar­ti­kel ist hin­ter ei­ner Be­zahl­schran­ke on­line verfügbar.

² sie­he auch: Der Tier­schutz­ver­band Sach­sen und die Katzen­schutz­ver­ord­nung, eine zeit­li­che Ein­ord­nung der Po­si­tio­nen des Tier­schutz­ver­bands Sachsen

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